Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern

Es ist der letzte Tag des Jahres. Es ist kalt und es schneit. Der Abend neigt sich dem Ende und es wird dunkler. Ein kleines Mädchen wandert barfuß durch die Nacht. Ihre Hausschuhe hat sie verloren, denn sie waren zu groß. Die trug eine Schütze in der sich eine Menge Schwefelhölzer befanden, eines hielt sie in der Hand um es zu verkaufen. Sie hatte den ganzen Tag noch kein einziges Schwefelholz verkauft, niemand hatte ihr auch nur einen Dreier geschenkt.

Sie war hungrig und durchgefroren. Der Schnee viel auf ihr blondes, lockiges Haar und ihre Füße waren rot und blau von der Kälte. Sie wagte sich nicht nach Hause, denn sie hatte noch keine Hölzer verkauft. Sie hatte Angst, dass ihr Vater sie schlagen würde, wenn sie ohne einen einzigen Dreier nach Hause käme. So kauerte sie sich in eine kleine Ecke zwischen zwei Häusern. Sie zog die kleinen Füße eng an ihren Körper, aber trotzdem fror sie noch.

Könnte sie wagen eines der Schwefelhölzer anzuzünden und ihre Finger daran zu wärmen? Sie nahm eines der Hölzer, strich es gegen die Wand "Ritsch!" und das brennende Hölzchen begann ihr Hände zu wärmen. Sie erfreute sich an dem hellen Licht und der Wärme. Doch schon nach wenigen Sekunden erlosch das Schwefelholz. Sie zündete ein Neues an und die kahlen, kalten Mauern der Häuser wurden für sie durchsichtig. Sie sah ein gemütliches Zimmer, mit einer reich gedeckten Tafel. Doch nach dem Verglimmen des Hölzchens sah sie nur noch die dicke Mauer vor sich.

Sie zündete ein Drittes an und sah einen schön geschmückten Weihnachtsbaum mit vielen Lichtern. Dann erlosch auch dieses Schwefelholz, die Lichter stiegen in die Höhe, die Wolken hatten sich verzogen und sie sah die Sterne am Himmel. In diesem Moment fiel eine Sternschnuppe vom Himmel.

"Nun stirbt jemand!" dachte das Mädchen, denn ihre Großmutter hatte gesagt: "Wenn ein Stern fällt, so steigt eine Seele zu Gott empor."

Sie strich ein weiteres Schwefelholz an der Mauer an und diesmal erschien ihr die Großmutter. "Großmutter!" rief die Kleine. "Oh, nimm mich mit! Ich weiß, dass du auch gehst, wenn das Schwefelholz ausgeht; gleichwie der warme Ofen, der schöne Gänsebraten und der große, herrliche Weihnachtsbaum!"

Sie brannte die restlichen Schwefelhölzer an und versuchte ihre Großmutter bei sich zu behalten. Die Großmutter nahm das Mädchen auf den Arm und sie flogen gemeinsam in die Höhe. Das Mädchen spürte keine Kälte, keinen Hunger und auch keine Furcht.

Am nächsten Morgen saß ein kleines Mädchen in einem Winkel zwischen zwei Häusern mit roten Wagen und einem Lächeln auf den Lippen. Sie war tot, erfroren am letzten Abend des alten Jahres.

Ende

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