Der Gevatter Tod.

Vor vielen Jahren lebte ein alter Mann, der hatte zwölf Kinder. Um diese zu ernähren, musste er Tag und Nacht arbeiten. Als seine Frau ein weiteres Kind gebar, war die Not groß. So lief der arme Mann auf die Straße und wollte den ersten Menschen den er traf, zu Gevatter bitten.

Dieser erste Mann war Gott. Gott wusste was der Mann wollte und sprach: "Armer Mann, du dauerst mich, ich will dein Kind aus der Taufe heben, will für es sorgen und es glücklich machen auf Erden."

Der Mann fragte Gott, wer er sei und dieser antwortete. Doch als der Mann erfuhr, dass er Gott gegenüber stand, wollte er ihn nicht als Gevatter. "Du gibst dem Reichen und lässt den Armen hungern." sagte der Mann.

Der Mann ging weiter und traf den Teufel. Dieser wollte dem Kind Gold in Hülle und Fülle geben, wenn er der Pate des Kindes sein könne. Doch der alte Mann wollte auch den Teufel nicht als Gevatter seines Kindes.

So ging er weiter und begegnete dem Tod. Der Mann fragte nach der Identität der Gestalt und der Tod sagte: "Ich bin der Tod, der alle gleich macht." Daraufhin sagte der Mann: "Du bist der rechte, du holst den Reichen wie den Armen ohne Unterschied, du sollst mein Gevattersmann sein."

Der Tod wollte das Kind reich und berühmt machen. Es sollte ihm an nichts fehlen. Am Sonntag fand die Taufe statt und der Tod erschien und wurde der Gevatter des kleinen Neugeborenen.

Nach einigen Jahren kam der Tod zum Jungen und führte ihn in einen Wald, dort zeigte er ihm Kräuter und übergab dem Kind sein Patengeschenk, dabei sprach er: "Ich mache dich zu einem berühmten Arzt. Wenn du zu einem Kranken gerufen wirst, so will ich dir jedes Mal erscheinen. Steh ich zu Häuptern des Kranken, so kannst du keck sprechen, du wolltest ihn wieder gesund machen, und gibst du ihm dann von jenem Kraut ein, so wird er genesen. Steh ich aber zu Füßen des Kranken, so ist er mein, und du musst sagen alle Hilfe sei umsonst und kein Arzt in der Welt könne ihn retten. Aber hüte dich, dass du das Kraut nicht gegen meinen Willen gebrauchst, es könnte dir schlimm ergehen."

Bereits nach kurzer Zeit wurde der Junge ein berühmter Arzt. Durch seine Heilkünste wurde er zu einem reichen Mann und von allen Menschen verehrt. Als der König erkrankte, wurde der Knabe zu ihm gerufen, um ihn zu heilen. Doch als der Arzt an das Bett des Königs trat, stand der Tod zu dessen Füßen. Der Knabe versuchte den Tod zu überlisten, nahm den Körper des Königs und drehte ihn, der Arzt gab dem König die Kräuter und dieser ward wieder gesund. Der Tod wurde böse und sagte: "Du hast mich hinter das Licht geführt: Diesmal will ich dir's nachsehen, weil du mein Pate bist, aber wagst du das noch einmal, so geht dir's an den Kragen, und ich nehme dich selbst mit fort."

Kurze Zeit später wurde die Prinzessin des Landes schwer krank und wieder wurde der Arzt gerufen. Wenn er sie heilt, soll er zum Gemahl der Königstochter gemacht werden. Doch auch diesmal stand der Tod zu Füßen der Prinzessin. Die Schönheit der Königstochter war so groß, dass der Arzt die Frau nahm und auch sie drehte. Er gab ihr das Kraut und die wurde wieder gesund.

Der Tod wurde ein zweites Mal betrogen und sagte zu dem Arzt: "Es ist aus mit dir und die Reihe kommt nun an dich," Darauf hin nahm der Tod den Mann am Hals und führte ihn in eine unterirdische Höhle. In dieser Höhle brannten tausende Lichter und jeden Augenblick erlosch eines von ihnen. Der Tod erklärte dem Arzt, dass dies die Lebenslichter der Menschen seien. Der Arzt wollte sein Lebenslicht sehen. Der Tod zeigte es ihm und es war schon sehr klein. Da bat der Arzt den Tod, ob er ihm nicht ein neues Licht anzünden könnte, so dass er sein Leben noch etwas genießen könne. Doch der Tod wollte sich rächen und ließ das Feuer erlöschen. Der Arzt sank zusammen und starb.

Ende

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